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Wenn Freunde der deutschen
Sprache ein deutschsprachiges Buch mit einem
englischen Titel veröffentlichen, geschieht dies aus
guten Gründen. Mit dem Titel „Credit Analyst“ wird
weder der Versuch unternommen, lediglich den
aktuellen Zeitgeschmack zu treffen, noch ein
Experiment, alten Wein in neuen Schläuchen zu
verkaufen.
Das Berufsprofil des Credit
Analyst ist heute in den Blickpunkt sogar einer
breiteren Öffentlichkeit geraten wie kaum je zuvor.
Die Kreditkrise an den US-amerikanischen
Kapitalmärkten erreichte die Aufmerksamkeit der
Massenmedien rund um den Globus. Die ökonomischen
Konsequenzen der Krise wurden nicht nur in
Bankbilanzen und bei institutionellen Investoren
spürbar, sondern auch in den ausbleibenden
Anlageerfolgen eines breiten Anlegerpublikums. Die
Krise hat vor Augen geführt, dass traditionelle
Instrumente der Kreditwürdigkeitsprüfung kaum noch
mit den analytischen Anforderungen konform gehen,
die heute an Entscheidungen über die Investition in
teils komplex strukturierte Finanzierungen zu
stellen sind.
Das Berufsprofil des Credit
Analyst, der heute in einem globalen Kontext eine
maßgebliche Rolle bei der analytischen Flankierung
von Entscheidungen über die Allokation der Ressource
„Kapital“ wahrnimmt, hat wenig mit dem Berufsprofil
des Kreditanalysten oder des Kreditsachbearbeiters
der Vergangenheit gemein.
§ 1 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes
für das Kreditwesen (KWG) bezeichnet die Gewährung
von Gelddarlehen und Akzeptkrediten als
Kreditgeschäft. Wird es gewerbsmäßig oder in einem
Umfang betreiben, der einen in kaufmännischer Weise
eingerichteten Geschäftsbetrieb erfor-dert, ist es
Bankgeschäft und muss u. a. den von der
Bankenaufsicht gestellten Mindestanforderungen
genügen. Der allgemeinere Begriff des Kredits wird
abgeleitet vom lateinischen credere, „glauben“, und
creditum, „das auf Treu und Glauben Anvertraute“,
und hat schon im Deutschen einen doppelten Inhalt:
Einerseits wird unter Kredit das „Vertrauen“
gegenüber einem Partner verstanden. Andererseits
bedeutet bei jemandem „Kredit haben“ auch „etwas
guthaben“ im Sinne von Vertrauen genießen, dass man
zahlungsfähig und damit kreditwürdig sei.
Das Wort „Kredit“ bezeichnet
meist die Gebrauchsüberlassung von Geld (Banknoten,
Münzen, Giralgeld) oder vertretbaren Sachen
(Warenkredit) auf Zeit. Darlehnsverträge,
Abzahlungskäufe, Stundungen oder Wechsel stellen
Beispiele für Kredite dar, die zwar z. B. Gegenstand
der Arbeit von Kreditsachbearbeitern sein können,
nicht aber Gegenstand dieses Buches sind. Bei
Geldkrediten hat der Kreditnehmer den Nennbetrag der
kreditierten Geldsumme und bei Warenkrediten eine
der kreditierten Ware gleiche Ware zurückzugewähren.
Dem Buchkredit (Darlehen im rechtlichen Sinne, z. B.
§§ 607 ff. BGB) steht der verbriefte Kredit
(Kaufvertrag über Kredittitel, z. B. §§ 433 ff. BGB)
gegenüber.
Die
Kreditwürdigkeitsbeurteilung wurde noch bis Ende des
20. Jahrhunderts verbreitet in der Art einer Prüfung
praktiziert, die „bestanden“ oder „nicht bestanden“
zum Ergebnis hat, im Falle von Kreditgeschäften
„solvente“ von „nicht solventen“ bzw. „nicht
ausfallgefährdete“ von „ausfallgefährdeten“
Kreditnehmern unterscheidet. Dieses
Schwarz-Weiß-Denken wird der Komplexität der
Realität ebenso wenig gerecht wie dem Bedürfnis von
Banken wie auch institutioneller Investoren, ihre
Kredit- und Anleiheportfolien aktiv zu managen.
Bonitätsveränderungen,
Veränderungen der Ausfallwahrscheinlichkeit von
Anleiheschuldnern z. B., wirken sich ebenso wie
weitere Faktoren auf die Preisbildung für die
betroffenen Finanztitel aus. Während bei Anlegern
früher so genannte Kaufen-und-Halten-Strategien
dominierten, steht bei vielen heute das Bedürfnis im
Vordergrund, Kursverluste zu vermeiden und an
möglichen Kursgewinnen zu profitieren. Dies bedingt
neue analytische Instrumente, insbesondere Expertise
im Rating, um auch Veränderungen von Bonitätsnuancen
richtig zu erkennen.
Die Verordnung über die
angemessene Eigenmittelausstattung von Instituten,
Institutsgruppen und Finanzholding-Gruppen (Solvabilitätsverordnung
- SolvV) vom 14. Dezember 2006 sowie die
Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk)
gemäß Rundschreiben 5/2007 vom 30. Oktober 2007 der
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
verlangen von allen betroffenen Instituten die
Einhaltung deutlich höherer Mindeststandards, die
insbesondere an Ratingsystemen festgemacht werden.
Seit der Jahrtausendwende wurde nicht nur in
Deutschland, sondern auch weltweit in allen Ländern,
die sich zur Umsetzung des in Basel ausgehandelten
Regelwerks der Bankenaufsicht (Basel II)
verpflichteten, intensiv an der Fortentwicklung
bestehender Ansätze und Systeme gearbeitet.
Aus diesen Veränderungen
resultieren verschiedene Qualifizierungsoffensiven,
die sich nicht nur auf Aus- und Weiterbildung von
Bankmitarbeitern mit dem Ziel richten, die
personellen Voraussetzungen für die Einhaltung der
neuen Anforderungen zu schaffen, sondern darüber
hinaus sowohl dem wachsenden Interesse von Banken
und anderen Unternehmen an einer
Professionalisierung des Managements von Bonitäts-
und Kreditrisiken zu entsprechen.
Zu den auf diesem Gebiet
maßgeblichen Angeboten gehört die Ausbildung und
Zertifizierung von Credit Analysts durch die DVFA -
Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset
Management. Das vorliegende Buch bietet nicht nur
eine Einführung in das Fachgebiet des Credit
Analyst, sondern korrespondiert auch mit dem von der
DVFA geschaffenen, gleichnamigen Curriculum.
Der Certified Credit Analyst (CCrA)
ist ein Postgraduierten-Programm für
Kreditanalysten, Fixed Income-Spezialisten und
Kreditrisikomanager in Deutschland. Die DVFA ist der
Berufsverband der Investment Professionals mit
aktuell ca. 1.100 persönlichen Mitgliedern. Sie sind
als Fach- und Führungskräfte bei über 400
Investmenthäusern, Banken sowie Fondsgesellschaften
oder als unabhängige Kapitalmarktdienstleister
tätig. Der DVFA e.V. ist in Zusammenarbeit mit der
DVFA GmbH seit zwei Jahrzehnten Ausbildungsinstitut
für den Kapitalmarkt. Mit Postgraduierten-Programmen
und einem Kompaktprogramm mit tausenden Absolventen
mit Berufsdiplom, internationalen
Kooperationspartnern und zahlreichen namhaften
Referenten aus Wissenschaft und Praxis bietet die
DVFA die führende Ausbildung für Kredit- und
Kapitalmarktspezialisten.
Die oben genannten Vorgaben von
Basel II setzen völlig neue Rahmenbedingungen für
das Kreditgeschäft. Gleichzeitig haben an den
Kapitalmärkten die unterschiedlichsten
Kreditprodukte stark an Bedeutung gewonnen, von
Unternehmensanleihen bis hin zur Verbriefung. Die
Kredit- und Kapitalmärkte wachsen dabei immer enger
zusammen. Kreditrisiken müssen analysiert und
gemanagt werden – in Banken ebenso wie am
Kapitalmarkt. Das Postgraduierten-Programm CCrA -
Certified Credit Analyst umfasst beide Bereiche –
das klassische sowie das kapitalmarktorientierte
Kreditgeschäft – und bietet damit eine umfassende
und praxisnahe Qualifizierung für Fach- und
Führungskräfte.
Das Buch richtet sich - gleich
dem CCrA-Programm der DVFA - an Personen mit
wirtschaftlichem bzw. unternehmensanalytischem
Hintergrund, die typischerweise auch Teilnehmer der
Ausbildung sind, wie zum Beispiel aus den Bereichen
Kredit- und Ratinganalyse, Kreditrisikomanagement,
Marktfolge Kredit, Votierung, Basel II- und
MaRisk-Projekte, Treasury, Credit Research und
Portfolio Management.
Das Buch eignet sich für die
Zielgruppen zur Sondierung des eigenen Interesses am
Berufsfeld, zur Vorbereitung der Teilnahme am
Programm der DVFA, als steter Begleiter zum
Studiengang der DVFA, zur Vertiefung von anderen
Aus- und Weiterbildungsangeboten der DVFA. zur
Ergänzung der Ausbildung von Kredit- und
Kapitalmarktspezialisten, zur Auffrischung von
Kenntnissen für Praktiker bzw. Anwender oder einfach
zur Erweiterung des finanzwirtschaftlichen Wissens
um Kenntnisse in der Kreditanalyse.
Bei den Beiträgen handelt es
sich daher nicht um den Abdruck der Charts und
Lehrmaterialien, die Gegenstand des CCrA-Programms
sind. Das Buch ist nicht in substitutiver
Konkurrenz, sondern komplementär im Markt mit dem
Ziel positioniert, das Profil des „Credit Analyst"
im Anspruch und in der Wahrnehmung zu stärken.
Unser Herausgeberwerk ist nur
durch das Zusammenwirken zahlreicher Personen
möglich geworden. An vorderster Stelle danken wir
den Autoren, die durch ihre fachlichen Beiträge
verschiedene Aspekte des Themas beleuchtet haben,
wie auch Herrn Dr. Jürgen Schechler aus der Leitung
des Lektorats Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
beim Oldenbourg Wissenschaftsverlag. Kommentare und
Anregungen unserer Leser greifen wir gern auf: Bitte
zögern Sie nicht, die Herausgeber per E-Mail an info@everling.de
zu kontaktieren!
Frankfurt am Main im August
2008
Dr. Oliver Everling, Klaus
Holschuh, Prof. Dr. Jens Leker
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